Hung Gar Alt-Grossmeister Chiu Kau Der einzigartige, grosse Hung Gar Alt-Grossmeister Chiu Kau wurde am 3. August 1895 in der Provinz Kwantung in Südchina geboren. Seine Eltern praktizierten zur
Gesundheitserhaltung des Körpers und zur Selbstverteidigung südliches Kung Fu. Im Alter von 9 Jahren zog Chiu Kau mit seinem Onkel nach Malaysia und Singapur, um dort in den Minen zu arbeiten. Doch anstatt eines guten
Verdienstes für ein besseres Leben der Familie fanden die Minenarbeiter nur harte Arbeit, Misshandlung oder sogar den Tod. Der junge Chiu Kau lernte also eifrig Kung Fu, um sich und seine Freunde vor Misshandlungen schützen zu
können. Mit 14 Jahren wurde er in Singapur zufällig Zeuge eines Zweikampfes zwischen Wong Chai Yuk (aka Leng Chai Yuk), einem exzellenten Kung Fu Kämpfer und dem ebenfalls bekannten Kung Fu Meister Ha Shan Fu. Beide in Grösse und
Stärke ebenbürtig. Wong Chai Yuk griff mit massiven Hung Gar Techniken an, so dass Ha Shan Fu schon nach kurzer Zeit keinen Widerstand mehr entgegenbringen konnte und in diesem Kampf sein Leben verlor. Tief beeindruckt von den
Hung Gar Kampftechniken machte sich Chiu Kau auf den Weg zu Wong Chai Yuk`s Onkel und Meister, Wong Sai Wing. Dieser erfreute sich an seinem neuen, begabten, ehrgeizigen und entschlossenen Schüler Chiu Kau, welcher von Ihm die
Kampfkunst Hung Gar und Medizin erlernte und ihm durch Süd-Ost-Asien, Süd-China bis nach Indonesien folgte. Im Alter von 27 Jahren trat Grossmeister Chiu Kau seine Heimreise nach Kwantung an, wo er seine zukünftige Frau, Shiu
Ying, kennenlernte, die er 1923 heiratete und mit ihr nach Singapur umsiedelte. Grossmeister Shiu Ying praktizierte vor ihrer Bekanntschaft mit Chiu Kau schon Kung Fu, allerdings einen nördlichen Stil. In Singapur lernte Chiu Kau
das Schneiderhandwerk und nähte aus alten gebrauchten Kleidern neue, so dass sich auch die Armen der Bevölkerung Kleider leisten konnten. Als Chiu Kau und Shiu Ying von der Anwesenheit des berühmten Hung Gar Grossmeisters Lam
Sai Wing in Hong Kong hörten, zogen sie dort hin, um Schüler des legendären Meisters des Hung Gar zu werden. Lam Sai Wing nahm beide als seine Schüler auf, worauf diese mit grossem Trainingseifer hart an sich arbeiteten. Den
Lebensunterhalt verdiente sich Chiu Kau als Strassenhändler in einer der ärmsten Gegenden von Hong Kong. Er bot den Leuten sowohl seine Dienste als Arzt, als auch neugeschneiderte Kleider zu einem günstigen Preis an. Chiu Kau`s
Hilfbereitschaft und Gerechtigkeitssinn zeigte sich immer wieder, wenn er anderen in Not half. Allzuoft setzte er seine Kampfkünste ein, um die Menschen in der Gegend zu schützen. Er trug die Stahlpeitsche wie einen Gürtel um
seinen Bauch und an seinem Strassenstand war sein Langstock immer griffberbereit. So erhielt er von den Menschen der Gegend den Namen ãHeld der Strasse" und seine Widersachern fürchteten ihn. 1931 eröffnete Grossmeister
Chiu Kau seine eigene Schule in Hong Kong und gründete die International Hung Gar Kung Fu Association. Als 1941 die Japaner Krieg gegen China führten, nahm Chiu Kau seine Frau und seine vier Kinder (Chiu Li Fong, Tochter; Chiu Kim
Fung, Sohn; Chiu Kim Ching, Sohn; Chiu Wai, Sohn) und kehrte zurück in seine Heimat Kwantung, wo sein jüngster Sohn Chiu Chi Ling (1943) geboren wurde. Als 1945 der Krieg zu Ende war kam die Chiu Familie nach Hong Kong zurück, wo
Chiu Kau eine neue Schule und zugleich eine Praxis eröffnete. Mit seinem medizinischen Wissen behandelte er oft kostenlos die ärmsten der Armen und unterstützte die Sozialstationen der umliegenden Krankenhäuser. Im Alter von 61
Jahren erhielt Chiu Kau bei Wettkämpfen in China den 1.Platz mit einer Schmetterlingsmesserform und ebenfalls den 1.Platz mit der Tiger/Kranichform (dem Markenzeichen des Hung Gar) und war somit Provinzsieger von Kwantung. Als dann
1957 die Ausscheidung aller Provinzsieger zum Landesmeister über ganz China ausgetragen wurden, startete er als Repräsentant von Kwantung und wurde mit seiner exzellenten Darbietung Vize-Landesmeister. In den 70er Jahren erhielt
Grossmeister Chiu Kau die Einladung nach Peking, um dort das Südliche Kung Fu vorzustellen und zu repräsentieren. Es ist somit Chiu Kau`s Verdienst, dass südliches Kung Fu ins Moderne Wushu-Programm aufgenommen wurde.
Mittlerweile siebzig Jahre alt geworden, übergab Grossmeister Chiu Kau seine Schule und Praxis seinem offiziellen Nachfolger und zugleich jüngsten Sohn, Chiu Chi Ling. Stolz auf sein Können und seine Vitalität im hohen Alter folgte
Chiu Kau vielen Einladungen zu Veranstaltungen, Ehrungen und Vorführungen. Oftmals war er auch anwesend, wenn Chiu Chi Ling unterrichtete und nahm Prüfungen zum Sifu ab.Seine hervorragende Gesundheit und sein hohes Alter verdanke,
er nach eigener Aussage, dem täglichen Ueben der Tit Sin Kuen und seiner Frau Shiu Ying, die ihm stets zu innerer Ausgeglichenheit verhalf. Bis zu seinem Tod am 20.02.1995 praktizierte Chiu Kau täglich Hung Gar Kung Fu und
verlor nie seinen Grossmut, seine Willenskraft, seine Entschlossenheit und Aufrichtigkeit. Sifu Martin Sewer hatte das grosse Glück seinen Sigung, Grossmeister Chiu Kau, kennen zu lernen. Er hatte die Ehre, seine Prüfung zum
Sifu unter seinem Sigung, Grossmeister Chiu Kau und seinem Sifu, Chiu Chi Ling abzulegen. Sifu Martin Sewer erzählt seinen Schülern oft Anektoden, die er mit seinem Sigung und seiner Sipo erlebt hat. Er beschreibt Grossmeister Chiu
Kau als einen strengen, weisen und sehr herzlichen Mann. Besonders eindrücklich seien Chiu Kau`s Augen gewesen, weil diese zugleich Härte und auch unbeschreibliche Liebe ausstrahlten. Chiu Kau`s Anliegen war nicht nur die
Verbreitung des Hung Gar Kung Fu, sondern auch das Verständnis und das Ausleben der Ethischen Werte des Hung Gar. Grossmeisterin Shiu Ying zog sich nach dem Tode ihres Mannes zurück. Trotzdem sie selbst Grossmeisterin ist und
wie ihr verstorbener Mann direkt von Lam Sai Wing gelernt hat, zieht sie es vor zurückgezogen zu leben und den Ruhm ihrem verstorbenen Gemahlen zu überlassen. Sifu Martin Sewer hatte seine Sipo kurz vor Ihrem Tode in Hong Kong
besucht und erhielt somit die Gelegenheit sie ein letztes Mal zu sehen und zu ehren.
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